Fell- und Körperpflege

Den Satz: „Entschuligung dürfen wir sie mal was fragen??“ hören wir ganz oft. „Machen sie das mit dem Fell eigentlich selber?“ Und dann müssen wir  über dieses  für den Puli so typische und spezielle Fell ausgiebig  informieren. Die Passanten sind dann  ganz erstaunt das es 3-4 Jahre dauert, bis das Zottelhaarkleid komplett ausgebildet ist.

Deshalb – vergessen Sie alles was sie über die Fellpflege anderer Hunderassen wissen!

Dieses Haarkleid   ist keine Modelaune von Herrchen oder Frauchen! Nein – es ist eine Laune der Natur oder der Zucht und zudem noch praktisch für den Träger dazu! – Auch wenn es für einige auf den ersten Blick nicht so aussieht: Es dient dem Puli als Wärme- und Kälteschutz für die im Sommer heiße und im Winter extrem kalte ungarische Puszta.  Zudem liegt es sich so viel angenehmer und es kann bei der Herden-Treibarbeit den Puli sogar vor Tritten der Schafte und Rinder schützen. Also ein super an sein Leben angepasstes Fell!

Deshalb gilt:  Einen Puli  niemals bürsten.

Aber dennoch gibt es Dinge die man bei der Pflege beachten sollte:

Da jedes einzelne  Haar meist  nicht länger als 10-12 cm wird und aufgrund seiner spezieller Struktur dazu neigt, sich mit den anderen noch lebenden Haaren  zu verweben, entstehen mit der Zeit die „Schnüre“ oder „Zotten“.  Dadurch haart ein Puli nicht beim Fellwechsel, den jeder Hund im Frühjahr oder im Herbst durchmacht.

Für die Entstehung der Schnüre oder Zotten spielt es eine wichtige Rolle wie das Verhältnis von Deckhaar zu Unterwolle ist.

Fellpflege  im Welpenalter und beim Übergang zum Jungpuli

DSC00916   Bubbly als Welpe

 

Chili 1533   Chili als Welpe

Am besten beginnt man direkt, wenn man den Welpen vom Züchter abholt, mit der Fellpflege. Dazu bedarf es zu diesem Zeitpunkt nur des liebevollen Streichelns. Dabei fährt man nur vorsichtig mit den Fingern durchs Fell. Schon in diesem Alter kann man die Ansätze der Zotten gut erkennen. Nun ist es wichtig, diese Anlage zu erhalten. Beim heranwachsenden Hund wird man feststellen, dass die Unterwolle, die zwar langsam wächst, anfängt, sich mit den Drahthaaren zu verfilzen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem man etwas mehr Arbeit in die  Haarpflege investieren sollte.  Jetzt mit ca. 8-9 Monaten legt man die Dicke der Schnüre oder Zotten fest. Wir haben jede Gelegenheit in dieser Zeit genutzt  wenn eines unserer Pulimädchen bei uns war um  einige Zotten „gaaaanz sanft“ bis auf die Haut auseinander zu ziehen.

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Sie lernen diese Liebkosung lieben und das ist der beste Start für ein schönes funktionelles Haarkleid.  Außerdem kann man so  verhindern, dass die Unterwolle zu einer breiten Matte verfilzt. Je nachdem, wie viel Unterwolle der Puli besitzt, ist es aber auch notwendig, die Unterwolle zwischen den Zotten sanft herauszuziehen. Wenn man einen Puli früh daran gewöhnt läßt er diese Prozedur gerne über sich ergehen –  nein unsere Chili liiiiiebt es sogar – am allerliebsten abends auf dem Sofa.  Natürlich darf man diese Art der Zärtlichkeit nicht übertreiben! Man sollte auf seinen Puli Rücksicht nehmen! Er zeigt es einem, wenn es genug ist.

Verteilt man „das Zotten“, wie man die Fellpflege beim Puli nennt, über den Tag, ist es eigentlich gar überhaupt nicht  schlimm für Mensch und Puli! So wächst über die Jahre ein gutes Mensch-Puliverhältnis und ein schönes Haarkleid heran.

Chili 405    Bubbly  mit ca. 1,5 Jahren

 

Bilder bis 051013 014    Chili mit ca. 1 Jahr

Wichtiger Hinweis:  Vor allen Dingen  sind die Stellen auf und hinter den Ohren und  an der Rute wichtig! Dieses wird häufig vergessen –  gerade wenn man zum ersten Mal einen Puli sein „Eigen“ nennen darf.

 

Pflege des erwachsenen Pulis

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Unser beiden Pulimädchen leben natürlich mit uns im Haus und dürfen keine Beleidigung für die Nase werden.

Daher einige Tips wie man das vermeiden kann:

Wir schneiden die Haare (Zotten) auf den Innenseiten der Oberschenkel, um die Geschlechtsteile und um den Schließmuskel weg damit  kein Urin oder Kot daran haften bleiben kann.  Gelegentlich werde unsere beiden Mädchen einer „Unterbodenwäsche“ unterzogen. Dann heißt es ab unter die Dusche und mit klarem Wasser die Zotten am Po und den Beinen auswaschen.

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Dann die Zotten mittels Handtuch ausdrücken und anschließend nicht zu heiß „anföhnen“. Wenn man das früh übt, dann ist es gar nicht so schlimm! Rechtzeitig geübt lieben Pulis – auch unsere beiden Mädchen – das Föhnen!!

Unsere beiden sind bald wieder trocken denn sie liegen  pulitypisch  lieber  auf den Teppichen und  leider weniger auf den extra für sie bereit gelegten Decken. Ist aber pulitypisch (und sollte daher frühzeitig kontrolliert erzogen werden),  sich strategisch wichtige Plätze auszusuchen. (Wir bestehen aber nicht wirklich darauf, dass sie nur auf den ihren zugewiesenen Plätzen liegen.)

Reinigung des Fells nach Regenspaziergängen  oder Buddelaktionen .

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Sollte ein Puli durch Regen nass geworden sein, so reicht es meistens aus, die Zotten mit  alten Frotteehandtüchern oder besser Mikrofasertüchern (davon kann man nicht genug haben) auszudrücken oder den Welpen trocken zu rubbeln. Ähnlich wie bei Wollpullovern werden die Zotten in das Handtuch gewickelt und ausgedrückt! Der Regen kann bei einem richtig gepflegtem Fell nicht wirklich eindringen und spült sogar den Staub und Schmutz ab.

Richtig Baden sollte man einen Puli nur dann, wenn es unbedingt nötig, ist und zwar z.B. nach Wälzen in Dingen, die für Hundenasen wie Parfüm riechen aber für die menschliche  Nase eine Beleidigung darstellen. Auch hier reicht in der Regel lauwarmes Wasser. Sollte es dennoch einmal notwendig werden, den Puli mit Shampoo zu waschen, dann verwenden Sie bitte nur ein gut rückfettendes Hundeshampoo! Ungeeignete Shampoos waschen  das natürliche Wollfett raus und dadurch wird der Puli beim nächsten Regen schneller nass, das Fell braucht länger zum trocknen und kann unter Umständen schnell muffig riechen. ( Wir verwenden ein Shampoo aus der Tierarztpraxis, ist zwar etwas teurer, aber da man es nicht wirklich oft braucht, lohnt es sich.)

Guter Tipp von vielen Pulimenschen:

Wer die Möglichkeit hat, vor dem Haus schon zwei halbvolle Wasserschüsseln aufzustellen, der kann ganz schnell nach dem Spaziergang die Pfoten des Puli´s in der ersten Wanne  auswaschen und in der zweiten Klarspülen. Das Wasser anschließend mit der Hand ausdrücken und mit den schon bereit gelegten Handtüchern weiter trocknen.

„Leidet der Hund bei Wärme?“ Das ist eine weitere häufige Frage, die es zu beantworten gilt.

Die Antwort ist einfach: Nicht mehr und nicht weniger als jeder andere Langhaarhund. Da es in Ungarn im Sommer auch sehr warm, ja heiß  wird, sucht sich der Puli in der größten Mittagshitze meistens einen schattigen und kühlen Ort zum liegen – am liebsten eine selbst gegrabene Erdkuhle (Fliesen tun es auch!).  Längere Spaziergänge sollte man bei zu großer Hitze vermeiden, ist ja auch logisch, denn auch der Hirte zieht mit seiner Herde morgens oder abends bei eher  kühleren Temperaturen von einer Weide zu nächsten. Dieses sollten verantwortungsvolle Hundebesitzer sowieso  tun, egal ob Kurz- oder Langhaarhund.

Selbstverständlich sollte man Hunde nicht alleine im Auto zurück lassen, auch bei moderaten Außentemperaturen  im Frühling oder Herbst. Hier  kann sich bei Sonnenschein das Auto sehr schnell aufheizen.  Da wir doch oft feststellen mußten, das es immer wieder Hundehalter gibt die hier fahrlässig handeln, hier dieser Hinweis.

 

Die Pfotenpflege bei unseren Mädels:

Wir kontrollieren nach dem Spaziergang die Pfoten ob sich evtl.  Steinchen oder Dreckklumpen darin verfangen haben. Wenn man jedoch regelmäßig  das Fell zwischen den Ballen und  Zehen herausschneidet kann das kaum passieren. Auch werden die Zotten an den Pfoten so gekürzt dass sie nicht auf dem „Boden schleifen“. Natütlich – wie bei jedem Hund – regelmäßiges Klauenschneiden nicht vergessen!!

Ohren kontrollieren:

Beim Puli ist es besonders wichtig, die Ohren zu kontrollieren, denn auch hier wachsen feine Härchen! Diese zupfen wir vorsichtig mit zwei Fingern heraus. Tut man das nicht, kann es zu Ohrentzündungen oder Milbenbefall kommen, wenn  die Härchen mit dem Ohrenschmalz einen Pfropf  bilden.

Auch hier sollte man früh anfangen zu üben – auch wenn noch nicht so viel zum Zupfen da ist (wir haben immer so getan „als ob“! Dadurch haben unsere Mädchen  gelernt, das es gar nicht so schlimm ist, wie es sich für manchen Menschen anhört). Die Pulis gewöhnen sich sehr schnell daran und später gibt es keine Probleme. Auf jeden Fall vermeiden sollte man die Benutzung von Wattestäbchen (ist ja im übrigen auch für den Menschen nicht wirklich zu empfehlen).

Augenpflege

Hier sollte man besonders darauf achten, die  Härchen zu entfernen, die dazu neigen in Richtung  Auge zu wachsen. Wir schneiden sie vorsichtig mit einer stumpfen Schere weg!  Dadurch vermeidet man, dass die Augen tränen und sich vielleicht entzünden. Dieses sollte man auf jeden Fall zu zweit machen.  Einer hält den Kopf fest und der andere schneidet vorsichtig.

 

Zeckenprophylaxe:

Oft bekommen wir auch die Frage: „Bei dem Fell gibt es da nicht Probleme mit Zecken und Föhen??“

Wir finden: Nein! Ganz im Gegenteil! Zum einen sind die Zecken bei einem gut gezotteten Puli auf der frei liegenden Haut zwischen den Zotten oder Schnüren gut zu erkennen.

Zum anderen sollte man –  wie bei jedem anderen Hund auch – eine gute Prophylaxe betreiben. Wir sind dabei keine Freunde chemischer Keulen, zumal mir (Axel) als Toxikologe die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Pyrethroiden und anderen Bekämpfungsstoffen nur zu gut bekannt sind. Extrem gute Erfahrungen haben wir damit gemacht, unseren Mädels zur Zeckenzeit etwas Kokosfett als Leckerli zu verabreichen. Die vorbeugende Wirkung ist verblüffend – obwohl wir in Rheinhessen in einem extremen Zeckengebiet wohnen!!

Zum Schluß bleibt nur zu sagen:

Für Puli Neulinge mag die Pflege sehr kompliziert und aufwendig klingen.

Stimmt aber nicht!

Sicher ist:  im Vergleich zu anderen Langhaarhunden können sie viel Geld sparen, denn sie brauchen keinen Frisör, keine Fellbürsten, Fellkämme, Entfilzungsharke, Unterwollbürste, Schermaschienen etc..  Sie benötig nur ein bischen Zeit, viel Liebe,einen Fön, ab und zu eine Schere und ganz selten Hundeshampoo.

Wer einen haarenden Kurz- oder Langhaarhund hat oder hatte weiß, wie viel Zeit das Beseitigen der Haare in der Wohnung kostet. Beim Puli sind höchstens abgerissene ganze Zotten zu finden.

(Stimmt nicht ganz: klar bringen unsere Fellmädchen – wie andere Langhaarhunde – Sand evtl. Tannennadeln vielleicht mal ein Zweiglein mit nach Hause! …)

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Rechtzeitig geübt ist die Fellpflege aber ein erholsamer Schmuseakt für beide Seiten und die Pulis sorgen meist selbst dafür, das der Sandhaufen auf einer Stelle – z.B. der Schlafdecke anfällt!

 

Einmal Puli – immer Puli!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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